Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Esch/Alzette

 

Die Stadt Esch/Alzette hatte während seiner Geschichte mehrmals mit verheerenden Folgen von Bränden zu kämpfen. Vor allem im Jahre 1558, 1736 und 1794 wurde die Stadt fast vollständig durch die Flammen zerstört. Aus Furcht vor einer Wiederhohlung einer derartiger Katastrophen einerseits und der fortlaufenden Industrialigierung der gesamten Südregion des Landes amderseits wurde im Jahre 1880 die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Esch/Alzette gegründet. Waren die Anfänge eher bescheiden, so hat sich unsere Wehr im Laufe der Zeit ständig weiter entwickelt und ist heute einer der größten und modernsten Einsatzzentrum des Großherzogtums.

 

DIE ANFÄNGE (1880-1909)

Im Jahre 1879 brach im Dorf „Esch op der Uôlzecht“ ein Großbrand aus, der die Wohnhäuser der Familien Wagner-Lakaff und Servais-Stemper nahezu vollständig einäscherte. Einflussreiche Persönlichkeiten der Escher Bürgerschaft erkannten die dringende Notwendigkeit, eine Feuerwehr zu gründen. Am 4. April 1880 wurde eine Versammlung einberufen in welcher, unter dem Vorsitz des Hüttenherren Léon METZ, die Escher Feuerwehr gegründet wurde. Gründungsmitglieder waren :



 

Léon METZ

(Gründer u. erster Präsident 1880-1928)

 

Jean-Pierre KAYSER, Pierre REDING, Jean WECKER, Jean PEIFFER, Jean KREMER

Nicolas PAULUS, Jean GARCON, Adam SCHONKERT, Jean HAMILIUS, Georges FETTES

 


Die Mannschaftseinteilung (Feuerwehrbataillon mit einer Steiger-, einer Ordnungs-, und zwei Spritzenkompanien) erfolgte am 1. November 1880 und ab sofort stand die Feuerwehr unter der Leitung von Oberkommandant Jean-Pierre KAYSER.

 Jean-Pierre KAYSER (Oberkdt. 1880-1906)

 Das Spritzenhaus im Jahre 1880

Am 14. November 1880 wurden die definitiven Statuten in einer von 60 Mitgliedern besuchten Generalversammlung angenommen. Das damalige Spritzenhaus befand sich in der Luxemburger Straße, gegenüber dem Schloss „Berwart“.  Am 3. Mai 1886 wurde der Beschluss gefasst, alle 14 Tage auf dem Stadthausplatz Übungen abzuhalten. Zwei Tage später kam es zu einem Großbrand in der Handelsstraße wobei das Wohnhaus sowie die Werkstatt der Familie Wecker-Hartz schwer beschädigt wurden.

  

Feuerwehr Esch/Alzette im Jahre 1906

 

Nachdem Oberkommandant Jean-Pierre KAYSER am 16. März 1906 unerwartet starb, übernahm Henri CRAVATTE den verantwortungsvollen Posten des Kommandanten.

 

 Henri CRAVATTE (Kdt. 1906-1916)

 

 

DIE ENTWICKLUNG (1910-1930)

Dass die Escher Wehr bereits frühzeitig um eine ständige Verbesserung des Feuerlöschwesens ihrer Stadt bemüht war verdeutlicht das Jahr 1910, in dem mehrere Anträge zur Bewilligung diverser Ausrüstungsgegenstände (neue Spritze, Spezialwasserreservoir, usw.) an den Stadtrat gerichtet wurden. Zu dieser Zeit verfügte man schon über einen Drehleiteranhänger der Marke Magirus.

 Drehleiteranhänger der Marke Magirus (17 m)

 

Am 16. Januar 1916 erfolgte ein erneuter Führungswechsel ; Henri FREYMANN wurde zum Kommandanten gewählt.

 Henri FREYMANN (Kdt. 1916-1948)

Angesichts der angespannten Situation in Europa, bedingt durch den ersten Weltkrieg, wurde am 5. April 1916 eine Dringlichkeitssitzung im Stadthaus einberufen, um den Einsatz der Feuerwehr bei eventuellen Fliegerangriffen zu besprechen. In den Jahren 1917 und 1918 kam es zu zahlreichen Bombenabwürfen über dem Stadtgebiet. Nach einem weiteren Angriff am 24. März 1918, bei dem in der Wasserstraße und der Fleischstraße 6 Personen tödlich verletzt wurden, setzte man die Escher Wehr zu Lösch-, Rettungs- und Aufräumungsarbeiten ein.

Am 22. September 1918 stimmte der Gemeinderat dem Bau eines Steigerturms am Spritzenhaus in der Grabenstraße zu. Dieses Gerätelokal wurde bis 1980 benutzt. Léon METZ, am 14. September 1919 zum Präsidenten des Luxemburger Landesfeuerwehrverbandes gewählt, starb am 25. Juni 1928.

 Das Spritzenhaus in der Grabenstraße (St.Joseph Platz)

 

 

 

DAS MOTORENZEITALTER UND DER 2. WELTKRIEG (1931-1944)

Die Motorisierung machte auch vor dem Feuerlöschwesen nicht halt und im Jahre 1931 stellte die Gemeindeverwaltung der Escher Wehr eine Autokraftspritze der Marke Magirus zur Verfügung.

 Autokraftspritze der Marke Magirus (Pumpenleistung 1500 Liter/Min.)

Wurden zwischen 1926 und 1935 nur etwa 9 Brände durch die Feuerwehr gelöscht, so stieg die Zahl derartiger Einsätze stetig an. In den Jahren 1936 und 1938 mussten bereits 28 bzw. 38 Brände bekämpft werden.

In den folgenden Jahren wurde auch die Escher Feuerwehr durch die Ereignisse des zweiten Weltkrieges stark geprägt. Im ersten Jahr der deutschen Besetzung unterstützen die Feuerwehrleute die Bevölkerung bei der einsetzenden Evakuierung. Außerdem halfen sie bei der Bergung von Verletzten nach einzelnen Granateinschlägen, mussten dann aber, auf Anordnung der französischen Truppen, ebenfalls die Stadt verlassen. Am Nachmittag des 11. Mai 1940 passierte die Escher Wehr in Uniform, geschlossen und mit der Autokraftspritze, die französische Grenze.


Mai 1940 – Brand einer Tankstelle „Am Grobirchen“ (Heute Faubourg in der Luxemburger Straße)

 

Im Jahre 1941 wurde das Vorstandsmitglied Pierre KRIEPS mit der Führung der Feuerwehr beauftragt. Ein Jahr später wurde die Feuerwehr aufgrund einer Reichsverordnung durch Zusatzkräft (Gewerbebetreiber und Studenten) verstärkt. Im Jahre 1942 verweigerten die Wehren aus Esch und Schifflingen ihre Unterschrift zur SS-und Polizeigerichtsbarkeit. In den folgenden Kriegsjahren war die Escher Wehr hauptsächlich zur Bekämpfung von Großbränden im Einsatz, u.a. Teerfabrik-Belvalstraße, Anwesen Feyder in Ehleringen, Chemiefabrik „Ideal“-Wiesenstraße, Bombardement in Luxemburg-Bonneweg, ..... Beim Abzug der deutschen Truppen im Jahre 1944 verweigerte die Feuerwehr die Ablieferung ihrer Löschgeräte und musste erneut zwei Großbrände, in der Dellhécht- und Industrieschule, bekämpfen.

 

 

DIE NACHKRIEGSZEIT (1945-1955)

Nach Kriegsende wurde der Mannschaftsbestand überarbeitet und im Jahre 1945 gibt Pierre KRIEPS die vorübergehende Wehrführung wieder an Henri FREYMANN ab. Am 3. und 4. Januar 1948 unterstützt eine Rettungsgruppe der Escher Wehr ihre französischen Kameraden anlässlich der Hochwasser-Katastrophe in Thionville. Die dabei eingesetzten Feuerwehrleute wurden im Stadthaus für ihren tatkräftigen Einsatz durch die „Académie de Dévouement National de France“ ausgezeichnet.

Nach der Demission von Henri FREYMANN im Jahre 1948 wird Pierre WENZEL zum Kommandanten gewählt. Dieser wurde jedoch nach geraumer Zeit seines Postens enthoben.

 Pierre WENZEL (Kdt. 1948-1952)

Im Jahre 1952 übernimmt Pierre KRIEPS den Posten des Kommandanten. Unter seiner Führung wurden grundlegende Reorganisationsvorschläge in bezug auf Uniformierung, Ausbildung, Statuten und Mannschaftsbestand ausgeführt.

 Pierre KRIEPS (Kdt. 1952-1969)

Drei Jahre später kann die Escher Wehr auf ihr 75-jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlass wurde beschlossen, dieses besondere Jubiläum, im Rahmen von Festlichkeiten, verbunden mit einer Fahnenweihe, zu feiern.

 

 

 

DIE MODERNISIERUNG (1956-1980)

In diesem Zeitraum wurden innerhalb der Escher Feuerwehr zahlreiche Änderungen vorgenommen, die nach und nach zu einer Verbesserung der Einsatzfähigkeit führten. So wurde im Jahre 1957 ein Ambulanzfahrzeug der Marke VW in Dienst gestellt womit ab dem Jahr 1962 eine sonntägliche Bereitschaft von 3 Mann gewährleistet wurde. Es folgten u.a. die Inbetriebnahme einer modernen Drehleiter DL 30h der Marke Magirus im Jahre 1958 sowie eines Tanklöschfahrzeuges TLF 16 der Marke Mercedes-Metz im Jahre 1962. In dieser Zeit kam es erneut zu Großbränden u.a. im Hause Freylinger in der Alzettestraße (1960), in der Schreinerei Deltgen in der Septemberstraße (1961) und im Hause Dörner in der Otherstraße (1962).

 DL 30-Magirus

 TLF 16-Mercedes/Metz

 

Einer der wohl folgenschwersten Einsätze ereignete sich im Jahre 1965, als beim Großbrand im Kino REX auf dem Brillplatz. 7 Feuerwehrleute, unter ihnen auch Kommandant Pierre KRIEPS, durch eine Explosion zum Teil schwer verletzt wurden. Die Verletzungen des Kommandanten trugen dazu bei, dass dieser drei Jahre später aus Gesundheitsgründen demissionierte und durch den derzeitigen Unterkommandanten Guy WERER an der Spitze abgelöst wurde. Pierre KRIEPS starb im Jahre 1974.

 Guy WERER (Kdt. 1969-1986)

Die Unterbringung des nun doch schon beachtlichen Fuhrparks wurde Ende der 60er Jahre zu einem Problem. Die Feuerwehr besitzt zu diesem Zeitpunkt 6 Einsatzfahrzeuge, wovon sich zwei in den städtischen Garagen in der Kanalstraße und drei weitere im Spritzenhaus befinden. Wegen Platzmangel muss sogar ein Fahrzeug auf dem Gelände der Escher Kläranlage in Schifflingen abgestellt werden. Die Diskussionen über den Bau eines neuen Spritzenhauses beginnen bereits im Jahre1973, doch die endgültige Genehmigung des Projektes durch den Gemeinderat erfolgt erst am 26. März 1979.

 1973 – Großbrand „Balkan-Grill“


Im Jahre 1975 wurde eine moderne Funkalarmanlage in Betrieb genommen und löste die seit 1940 eingesetzte Klingelalarmierung ab. Die Escher Feuerwehr war damit die erste freiwillige Feuerwehr des Landes, die über Funkmeldeempfänger alarmiert wurde.

Anlässlich der Hundertjahrfeier der Escher Feuerwehr wurde am 4. Oktober 1980 das neue „Sprëtzenhaus Pierre Krieps“, nach rund 18 monatiger Bauzeit, feierlich eingeweiht. Die Feuerwehr verfügte nun über ein modernes und großräumiges Einsatzzentrum, das es ihr ermöglichte ihren freiwilligen Dienst unter den besten Voraussetzungen auszuführen.

 

 

 

 

DIE LETZTEN 30 JAHREN (1980 bis Heute)

Bis ins Jahre 1986 hinein sollte Guy WERER an der Spitze des Escher Korps stehen. Anschließend war es Michel KRIEPS an den Posten des Kommandanten übernahm.

 Michel KRIEPS (Kdt. 1986-2004)

Im Laufe der Jahre stieg die Anzahl der Einsätze kontinuierlich an. So mussten im Jahre 1991 insgesamt 17 Großbrände bekämpft werden, 1997 sogar die magische Grenze von 1000 Einsätzen überschritten. Während in den 80er Jahren durchschnittlich 400 Einsätze pro Jahr zu bewältigen waren, so sind es heute deren 800. Besonders hervorzuheben im Escher Krankenhaus in den Jahren 1987 (Brand in der Verbrennungsanlage), 1989 (Kellerbrand) und 1992 (Dachstuhlbrand Maternité). Bei letztgenanntem kam es in den Mittagsstunden des 07.September zu einem ausgedehnten Dachstuhlbrand im Altbau 2. Dieser Großbrand erforderte eine teilweise Evakuierung der Patienten und konnte nach dreieinhalb Stunden mit der Unterstützung der Wehren des Kantons Esch und der Berufsfeuerwehr der Stadt Luxemburg unter Kontrolle gebracht werden. Insgesamt waren 212 Einsatzkräften an den Löscharbeiten beteiligt.

 Dachstuhlbrand am Escher Spital 1992

IN ERINNERUNG AN JEAN-MARC SAUBER (1996)

Leider wurde das Jahr 1996 durch den plötzlichen und unerwarteten Tod unseres nur 19 Jahre alten Feuerwehrkameraden Jean-Marc Sauber überschattet.

Jean-Marc trat 1986 in die Escher Jugendfeuerwehr ein. Mit 16 Jahren wechselte er 1992 in den aktiven Dienst, wo er sich durch seine Hilfsbereitschaft und seinen Kameradschaftsgeist allgemeiner Beliebtheit erfreue. Jean-Marc verließ uns am 14. März 1996 und an seiner Beerdigung beteiligte sich das vollzählig angetretene Feuerwehrcorps.

Vergessen werden wir Escher Feuerwehrleute unseren Jean-Marc nicht, um so mehr, da seine Familie durch eine großzügige Spende die Anschaffung einer Statue der Schutzpatronin der Feuerwehrleute, die Heilige Barbara ermöglichte und die als bleibende Erinnerung an Jean-Marc Sauber im Spritzenhaus steht.

 Heilige Barbara

 



 

Die ständige Entwicklung unserer Gesellschaft mit daraus resultierenden Ansprüchen des 21ten Jahrhunderts führen unweigerlich zu einer zunehmenden Komplexität der Einsätze. Dies verlangt u.a. eine permanente Anpassung der feuerwehrtechnischen Ausbildung im In-und Ausland. So ist z.Bsp. der jährliche Besuch einer Atemschutzstrecke für jeden Atemschutzträger der Escher Feuerwehr Pflicht. Daneben erfolgt ebenfalls eine konsequente Modernisierung und Erweiterung des Fuhrparks und der Gebäulichkeiten.

2004 war wahrlich nicht ein Jahr wie alle anderen Jahre zu vorbei der Escher Feuerwehr. Nicht das Einsatzgeschehene der Wehr als solches stand im Mittelpunkt, sondern der Führungswechsel am Anfang des Jahres war das herausragende Ereignis. Nach 18 Jahren an der Spitze der Feuerwehr, übergibt Michel Krieps das Kommanndo an Guy BERNAR.

 Guy BERNAR (Kdt. ab 2004 bis heute) 

2005 wird der Escher Feuerwehr noch lange in Erinnerung bleiben. Schon in den frühen Morgenstunden am Neujahrstag rückte die gesamte Mannschaft zu einem Brand in der Alzettestraße aus. So auch am 5. Dezember abends gegen 20.00 Uhr, wo erneut ein Feuer in der näheren Umgebung der besagten Straße gemeldet wurde. Was für die Feuerwehr wie ein Routieeinsatz begann, bekam plötzlich eine dramatische Wende. Noch während der Löscharbeiten verlor Sektionschef Arthur MAJERUS das Bewusstsein und wurde daraufhin ins Escher Spital gebracht, wo er jedoch wenigen Minuten später verstarb. Keiner von uns war so auf solch einen tragischen Vorfall vorbereitet. Es folgten die schlimmsten Tage und Wochen in der Geschichte der Escher Feuerwehr..

 

Das Jahr 2007 wird mit Sicherheit für den Beginn einer neuen Ära im Feuerlöschwesen der Stadt Esch stehen. Die Einführung einer hauptamtlichen Dienststelle, besetzt mit freiwilligen Feuerwehrmänner, die bei der Gemeinde beschäftigt sind und die im Tagesverlauf, also während ihrer Arbeitszeit, für Aufgaben im Rettungsdienst zur Verfügung stehen, wird als Escher Modell bezeichnet.

 
 "Sercice d'Incendie" Ville d'Esch-sur-Alzette 2007